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Der Bohrer nähert sich der Pulpa – und damit die entscheidende Frage: Weiterexkavieren bis ins harte Dentin, bewusst Karies zurücklassen oder die Pulpa gezielt eröffnen? Was früher als „saubere“ Kariesentfernung galt, kann heute als unnötiger Einstieg in die Endodontie enden.
Die neue internationale S3-Leitlinie zum Management tiefer und extrem tiefer Karies stellt vertraute Behandlungskonzepte auf den Prüfstand. Ihre zentrale Botschaft: Nicht alles, was weich ist, muss raus – und nicht jede eröffnete oder entzündete Pulpa braucht sofort eine Wurzelkanalbehandlung. Bei symptomlosen Zähnen und reversibler Pulpitis sollen selektive oder schrittweise Verfahren das Risiko einer Pulpaexposition reduzieren. Wird die Pulpa dennoch eröffnet, eröffnen direkte Überkappung sowie partielle und vollständige Pulpotomie Wege zum Vitalerhalt. Selbst bei Zeichen einer irreversiblen Pulpitis kann die Pulpotomie eine ernst zu nehmende Alternative zur Pulpektomie sein. Hydraulische Kalziumsilikatzemente verdrängen zunehmend das klassische Kalziumhydroxid. Der Vortrag führt durch die entscheidenden klinischen Situationen und zeigt, wann weniger Exkavation mehr Zahnerhalt bedeutet – und wann der kontrollierte Zugang zur Pulpa sinnvoller sein kann als ihre verzweifelte Vermeidung.
